Das Wirschweiler Sängerfest 1952

Der MGV Wirschweiler feierte sein 50 jähriges Bestehen (13.07.1952), welches Anlaß zu einem großen Fest am Hochwald war. Auf ihm sang zum erstenmal auch der Kirchenchor von Langweiler unter der Leitung von Willi Jung (Jäger) in der Öfentlichkeit einer Veranstaltung mit anderen Chören. Ich hatte einen Ausschnitt aus einer Würdigung dieses Textes aus der „Allgemeinen Zeitung“ vom 15.7. bei.

 

 

Langweiler sang

 

Zwischen allen diesen Vereinen sang der katholische Kirchenchor Langweiler, etwa fünfundzwanzig Frauen und Männer. Der Chor sang „Heimatfluren“ und „Deutsche Wälder“, zwei sicherlich sehr alte Gesänge, er sang sie schwer und getragen, wie Bauersleut singen. Sie lenken alles nach ihrem Gang. Vor dem Chor stand ein Dirigent, Holzhauer seines Zeichens, siebzig Jahre alt, gebückt von der Arbeit seiner Tage, „kromb on schepp vor loder Schaffe“, sagte ein Bauersmann, der ihn kannte, stand da und leitete den Chor mit ungeformten Bewegungen , mit zitterigen Händen. Wer nach dem Chor hinblickte, hörte auf einmal gar keinen Gesang mehr, alles wurde visionär, es sah aus, als hätte Barlach diese fünfundzwanzig Menschen aus einem einzigen Klotz hingestellt. Dieses unvergeßlichen Eindrucks, von Geschlossenheit und Einheit, wie sie eben doch wohl nur die katholische Welt hervorbringt, konnte sich niemand entziehen. Nach dem Gesang trat der Dirigent beiseite, man sah in das Gesicht eines Waldmenschen, spähende Augen, Adlernase, verkniffener, schweigender Mund, im Profil sah er aus wie Anton Bruckner. Er verneigte sich linkisch, und die Tausende im Zelt zollten ihm begeistert ihren Beifall. Kreissängerführer Barzen eilte zum Podium und steckte ihm spontan die eigene Ehrennadel an die Brust. Ein schwerer greller Gesang war es von üppigen Farben, und der sprach einen an, als wären Erde, Wurzel, Stamm, Krone und Himmel zu Wort und Klang geworden. Das war Hochwald, Hunsrück, in einer Darstellung, wie sie wohl nur dieses einzige Mal einem inne werden kann.

 

 

Dieser Artikel wurde geschrieben von O. Conradt, Idar