Langweiler von August Keller 1958

Langweiler von August Keller   +1958

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Die Langweiler Geschichte ist mit der Geschichte des Dorfes Wirschweiler eng verbunden. Bis zum Jahr 1969 gehörte Langweiler zur Gemeinde Wirschweiler-Langweiler im Kreis Bernkastel-Kues. Aus diesem Grund werde ich auch geschichtliches aus dem Dorf Wirschweiler in dieses Dokument übertragen. (H.E. Bock 2010)

Langweiler im Hunsrück

Auch bei Langweiler liegen im Idarwald drei alte Wehranlagen, die aber wahr­scheinlich erst in späterer Zeit entstanden sind.

Die Schanze auf dem Schneidberg liegt in 521 m Höhe. Der Schneid­berg fällt nach 2 Seiten steil ab, während die dritte Seite durch einen künst­lichen Graben geschützt ist. Er ist 48 m lang, 3-4 m breit und mannstief. Funde wurden dort nicht gemacht, und der Zweck der Anlage ist unbekannt. Von dem Berg hat man einen schönen Ausblick ins Idarbachtal und Katzenloch.

Die 2. Wehranlage ist das sogenannte "Alte Schloß" . Die Anlage liegt auf einer ins Bachtal vorspringenden Bergklippe, so daß man nach 3 Seiten eine gute Aussicht hat. Der kleine dreieckige Platz ist nach 2 Seiten durch Steil­wände unzugänglich. Die 3.Seite ist durch einen 10 m langen und 2, 5 m hohen Erdwall abgeschlossen. Davor liegt ein noch längerer 2,5 m tiefer Graben. Nach Dr. Steiner, dessen Geschichte der Steinringe wir diese Mitteilungen entnehmen, kann es sich hier wahrscheinlich um eine Warte gehandelt haben, die erst im Mittelalter entstanden ist.

Die 3.Wehranlage hat den merkwürdigen Namen " Franzosenlager" Auch hier weiß die Forschung nicht, wann und zu welchem Zweck die Anlage geschaffen wurde und warum sie diesen Namen im Volk erhalten hat. Vielleicht findet der Name in der Geschichte des Walddorfes Langweiler (s.S. 143) eine gewisse Erklärung.

 

WIRSCHWEILER

Der Ort liegt 542 m über NN. , hat eine evangelische Kirche und Schule. Die Gemarkung, die auch Langweiler umfaßt, mißt 1541 ha. - Der heutige Orts­name wurde früher wie alle Namen verschieden geschrieben: Werschwilre 1298, Wirßwilre, Wirriswillare usw. Er dürfte von dem Wirich abgeleitet sein, der Ort demnach von einem Wirich begründet worden sein.

Wirschweiler gehörte in der Feudalzeit zum Amt Allenbach in der hinteren Grafschaft Sponheim. Zwischen Sensweiler einerseits und Langweiler und Wirschweiler andererseits verlief die Grenze zwischen den Grafschaften Sponheim und der Wildgrafschaft wie zwischen den Bistümern Trier und Mainz und noch früher zwischen den römischen Provinzen.

In der Franzosenzeit wurde Wirschweiler Sitz eines evangelischen Lokal­konsistoriums. Wirschweiler wurde 1817 Sitz der Verwaltung des neu einge­richteten Bürgermeisteramtes. Am 20. 7.1862 wurde der Amtssitz unter Bei­behaltung des bisherigen Namens nach Allenbach verlegt und blieb dort bis zur Einrichtung des Amtes Kempfeld 1885. Zur politischen Gemeinde Wirsch­weiler gehören außer dem Dorf auch Langweiler und zwei Mühlen.

Die Kirche

Die kirchlichen Standesregister, die schon 1656 beginnen, wurden früher beim Amt Wirschweiler, bzw. Kempfeld aufbewahrt. Die Kirche in Wirsch­weiler wird schon im 15.Jahrhundert als Pfarrkirche (Hauptkirche) erwähnt. Zum Sprengel gehörten früher auch Bruchweiler und Langweiler. Den Pfarr­satz oder die Kirchengyft besaßen die Herren von Oberstein, die wahrschein­lich damit von den Grafen von Sponheim belehnt waren. Denn der Zehnte von den 3 Gemarkungen wurde wie folgt verteilt: der Pfarrer erhielt die Hälfte, Sponheim und Oberstein je ein Viertel.

Die Kollatoren, denen die Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses ob­lag, zeigten sich bei der Erfüllung ihrer Pflichten sehr säumig. Die Kirche war 1541 baufällig und mußte 1582 neu erbaut werden, ebenso wieder 1608, die Kirchhofsmauer 1685. 1711 entstand das heutige Schiff. 1726 riß ein Sturm die alte Linde bei der Kirche um und beschädigte dabei den Turm. Bei der Ausbesserung mit Hilfe der Zuschüsse der Landesherren wurde das in Sandstein gehauene Wappen Sponheim am Turm angebracht.

Beschreibung. Die Kirche ist ein einfacher Bruchsteinbau, der aber durch seine Lage inmitten des mauerumhegten alten Friedhofes ausgezeichnet ist, Das Schiff ist ein Saalbau mit dreieckigem Chorschluß und flachbogiger Holzdecke. Der Chor liegt im Osten, der Turm im Westen. Der Altartisch ist ein ehemaliger Taufstein aus dem 15. oder 16.Jahrhundert. Von 1712-1770 befand sich im Turm eine alte Stadtuhr aus Kastellaun, deren Werk 1771 er­neuert wurde.

Die Glocken

Eine Glocke wurde im 1.Weltkrieg abgeliefert und 1927 durch eine neue er­setzt, die man dem Gedächtnis der Gefallenen widmete. Die Inschrift der ältesten Glocke lautet: "Catherina Heischen Ich. In Gotte Ere Luden Ich. Dederich von Wanefeld Gos Mich im Jahr MDXXXII"(1532). Auf der 3. Glocke ist zu lesen: "Kompt, laßt uns auf den Berg des Herrn gehen. Esai. 3. Johan Carl Mus culus, Pfarrer zu Wirsweiler und Allenbach, J.W.J. M. Kirchk. (Kirchenknechte). Mathias Cromel von Trier gos mich anno MDCC" (1700).

Das Pfarrhaus war ebenfalls oft genug baufällig und mußte 1723 durch einen Neubau ersetzt werden. Es hat im Innern gefällige Füllungstüren mit schmiedeeisernen Beschlägen, wie man sie noch in manchem alten Huns­rücker Wohnhaus findet.

Die Kirche besitzt einen alten Taufstein, Er wurde von der Gemeinde zur Zeit der "Bilderstürmerei" gerettet und diente bisher als Altarunterlage. Bei der jetzigen Erneuerung der Kirche wird er ausgebaut und kommt als Taufstein wieder zu Ehren.

LANGWEILER

Langweiler ist ein kleines Dorf, das etwa 530 m über NN. sozusagen mitten im Wald liegt. Es hatte vor 100 Jahren 31 Häuser mit 215 Einwohnern, von denen 180 katholisch und 35 evangelisch waren. 1279 wird es als "lange­willre" erwähnt. In der Feudalzeit gehörte es zum Amt Allenbach in der hinteren Grafschaft Sponheim. Der Ort entstand im Walddistrikt "Habscheid", weshalb es in alten Urkunden auch Habscheid, Habescheid oder Habschied genannt wird.

In alten Zeiten bestand die Feldflur des Dörfchens aus 5 Hufen, auf denen 5 Bauern (Hüfner) unter einem Schultheißen saßen. Die 5 Hufen waren best-hauptpflichtig, d.h. beim Tode eines Hufners mußte das beste Stück Vieh als Erbschaftssteuer abgeliefert werden. Später wurde diese Naturalabgabe in eine Geldzahlung umgewandelt. Es waren dafür 10 Gulden an die Kellerei des Amtes in Allenbach abzuliefern.

Es muß aber auch wenigstens ein wildgräflicher Untertan in Langweiler ge­sessen haben. 1515 hieß dieser Vix Henne; er hatte 2 Kappen (Kapaunen) jährlich an das Amt Wildenburg abzuliefern. Aber die Grafen von Sponheim übten die hohe und die niedere Gerichtsbarkeit aus. Den Bewohnern muß es aber in der Waldregion nicht besonders gefallen haben oder sie wurden durch Seuchen und andere Ursachen veranlaßt, ihren Wohnort zu verlassen. Damit entstand eine Wüstung wie Balsbach bei Kempfeld. Als dann der 30jährige Krieg die umliegenden Dörfer verwüstete, flüchteten die Menschen wieder in die Wälder. In dieser Zeit sollen sich versprengte Soldaten und Flücht­linge im Idarwald bei Langweiler, Hüttgeswasen, Tranenweier u. a. Orten Hütten gebaut und ihr Leben als Holzfäller, Köhler, Korbmacher usw. gefristet haben. So entstand das neue Langweiler. Bei Volkszählungen in der Zeit von 1607-1699 wurden von Langweiler keine Einwohner gemeldet; da­gegen waren es 1772 schon wieder 13 sponheimische

 Familien. Sie standen den Grafen von Sponheim in Eidespflicht. Sie hatten daher in dem sponheimi­schen Walde Habschied die freie Eckernutzung für soviel Schweine, als sie zu ihrem Haushalt bedurften.

Die Gemarkung von Langweiler muß übrigens schon in römischer Zeit be­siedelt gewesen sein. Als nämlich 1921 das Kinderheim erbaut wurde, stieß man auf zwei Steinkistengräber, von denen eines in einem Mauerver­band lag, der also zu einem Bauwerk gehörte. Von Beigaben wurde eine

Münze des Kaisers Antoninus Pius (138-161 II. Chr.) gefunden. In der Nähe des Ortes liegen 3 alte Wehranlagen aus römischer oder nachrömischer Zeit: "Die Schanze am Schneidberg", 'das alte Schloß", das "Franzosenlager" ge­nannt.-

Der oben als Kinderheim erwähnte große Bau wurde von der Stadt Oberhausen als Erholungsheim für Kinder der Stadt errichtet und benutzt. Infolge des 2. Weltkrieges ging das Haus in andere Hände über und gehört heute einem katholischen Frauenorden, der es als Alters- und Waisenheim führt. Da der Ort überwiegend katholisch ist, konnte vor einigen Jahren Langweiler zu einer katholischen Pfarrei erhoben werden.

Quelle: Zwischen den Wäldern, August Keller, im Selbstverlag 1958

Anm.: August Keller stammte von der Asbacher Hütte. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Weiden.

Man kann unschwer erkennen, dass sich alle Autoren, die sich mit der Langweiler oder der Geschichte der anderen Hochwalddörfer beschäftigt haben, sich auf die gleichen Quellen berufen, nämlich den Urkunden, die im Landeshauptarchiv in Koblenz und im Archiv in Speyer vorhanden sind. Auch das archivierte Kartenmaterial ist für jeden das gleiche Material mit entsprechenden Quellenangaben. Wolfgang Seibrich kommt mit seinen Erläuterungen dem Dunkel der Geschichte wohl am nächsten. Mit seiner Beschreibung der alten Pfarrei Idar und den Verbindungen im 8. Jahrhundert mit den Dörfern am Hochwald Sensweiler, Wirschweiler, Langweiler und Bruchweiler hat er tatsächlich eine Lücke in der Geschichte unserer Region geschlossen. Bedauerlich ist ohne Zweifel, der Verlust des "Goldenen Buches" der Abtei St. Maximin in Trier. Hier hätten Geschichtsforscher brauchbares Lesematerial vom Ende der Römerzeit bis ins 11. Jahrhundert verarbeiten können. Der Felsen auf der Widenburg gehörte jedenfalls zur Abtei St. Maximin, bevor die Wild- und Rheingrafen die Wildenburg Anfang des 14. Jahrhunderts erbauten. So gehörte auch das Dorf Hausen mit seiner Kirche zur Abtei St. Maximin. Man muss festhalten, dass in der damaligen Zeit nur in Klöstern und bei Hofe Dokumente aufgezeichnet oder geschrieben wurden. Das gemeine Volk konnte nicht lesen und nicht schreiben, da es noch keine Schulen gab.

Edwin, 11.01.2011.....Fortsetzung folgt