Dorfgeschichte

Dorf-Geschichte

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Langweiler im Hunsrück ist die jüngste selbstständige Gemeinde in Rheinland-Pfalz und hat schon verschiedene Namen getragen. 1279 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt und zwar als "Langwillre". Die Region war lange Zeit nicht mehr bewohnt und erst im 18. Jahrhundert gründeten mehrere sponheimische Familien das Dorf Langweiler im Walddistrikt Habschied neu (1711). Nach dem Wiener Kongress kam das Dorf Langweiler zur Gemeinde Wirschweiler. Bei der Gebietsreform im Jahr 1969 wurde Langweiler unter Sensweiler Verwaltung gestellt unter der das Dorf bis zu seiner Selbstständigkeit bis zum 31.12.1991 blieb.

Am 01. Januar 1992 begann in Langweiler eine neue Zeitrechnung. Der Ort wurde als autonome Gemeinde erstmals in seiner Geschichte selbstständig.  ....Fortsetzung folgt

Historisches in, um und aus Langweiler

Das Wappen aus Langweiler im Hunsrück, in der ehemaligen Grafschaft Sponheim, ist das Wappen der Markgrafen von Baden, die nach dem Aussterben der Grafen von Sponheim im 15. Jahrhundert einen Teil des Besitzes der Sponheimer erbten und bis zum Jahre 1776 besaßen.

Der Wappenstein wurde bei Baumaßnahmen im Kloster Marienhöh in einem Mauerverbund entdeckt und behutsam freigelegt. Jahrzehntelang befand sich der Wappenstein im Eingangsbereich des Klosters. Die Marienschwestern verliesen Langweiler und übergaben den Stein an die Gemeinde Langweiler, wo er auch historisch gesehen, hingehört.

Dieser Wappenstein wurde in einer gelungenen Maßnahme in die neue Bushaltestelle eingearbeitet. Der Wappenstein ist durch eine dicke Glasscheibe geschützt.

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Beschreibung einer Landkarte aus dem 18. Jahrhundert.

Wie schon beiläufig von Ernst Rudy in seinem Buch "Dorfchronik Wirschweiler" erwähnt, war der Oberlauf des Steinbaches die Grenze zwischen der Grafschaft der Rhein- und Wildgrafen und der Hinteren Grafschaft Sponheim (später Markgrafschaft von Baden). Im Jahre 1776 wurde eine Abschrift einer viel älteren Karte (vermutlich aus dem späten 15. Jahrhundert) angefertigt, die dem Verfasser dieses Beitrages vorliegt. Der Steinbach wird auch in anderen Karten als Gastenbach oder Kastenbach bezeichnet. Wer also in alten Schriften oder Landkarten diese Bezeichnung findet kann getrost davon ausgehen das der Grenzbach zwischen den beiden Grafschaften gemeint ist. Auf der Karte ist deutlich zu erkennnen, dass Langweiler bereits mit einigen Häusern vorhanden ist.  Es kommen Bezeichnungen wie "Bey dem Alten Schloß" oder "Bey der Ohligmühle" vor. Außerdem wird der "Hochherrschaftliche Walddistrikt Habschied" bezeichnet. Langweiler war wohl eine Ansammlung von mehreren kleinen Bauernhöfen (Huben) und ist im Laufe der Jahre gewachsen. Zwischenzeitlich war Langweiler eine Wüstung und wurde sehr wahrscheinlich ab dem Jahre 1697 wieder besiedelt. Dies belegt ein Markierungs- oder Grenzstein am heutigen Bildstock. Ohne Grund wurde auch zur damaligen Zeit kein Grenzstein gesetzt. Langweiler war im Jahr 1530 schon einmal eine Wüstung, und zwar als das Hofgut Langweiler von den Gemeinsherren von Heinzenberg veräußert wurde. Zu dieser Zeit wurden die "Langweiler Huben" von Hubern aus Bruchweiler und Sensweiler bewirtschaftet.

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Eintragungen in Urkunden und mündliche Überlieferungen

Die Einwohner der Dörfer waren Leibeigene der Grundherren und hatten bestimmte Fronden und Zehnten zu leisten. Hierzu eine Urkunde des Landesarchivs Speyer ( B24 Nr. 6 fol 350-352):

"Amt Allenbach 1775
                                            I.
Besteht überhaupt nur aus den zweyen Dörfern oder Ortschaften, als Allenbach und Wörschweiler, davon ersteres mit 63 = anderes oder Wörschweiler aber mit 56 leibeigenen herschaftl. Unterthanen, und nebst diesen durch 11 in hiesigem Amtsbezirck auf Habschied sich aufhaltende Hintersaßen oder Schutzverwandte, 2 dergleichen zu Allenbach und 9 Waldbaraquen auf Hüttgeswasen und auf dem Thranenweiher im Hochwald bewohnt werden.
                                                      II.
Die Unterthanen des Amtes sind gnädigster Gemeins Herrschaft, gedachtermaßen, mit der Leibeigenschaft indistincte verhaftet; müssen daher höchstdenselben nicht nur ein sicheres Frohngeld, dessen bisherige Tarif ist:

daß von einem Unterthan

mit ganzer Fuhr 3 Gulden

mit halber Fuhre 2 Gulden 15 Kreuzer

von einem Handfröhner oder Wittwen 1 Gulden 30 Kreuzer

erhoben werden, alljährlich entrichten, sondern nebenher noch mehr ungemeßen als gemeßener natural Frohnden proestiren, so sich beyläufig und hauptsächlich dahin bestimmen lassen, daß sie1.) die herrschaftlichen Früchte 5 bis 6 Stunden Wegs jedoch gegen Vergüthung 11 ¼ Kreuzer per Malter Frohngeld zu transportieren.

2.) die Baufrohnden zu denen im Amt befindlichen herrschaftl. Gebäuden mit Fuhr und Hand ohnentgeltlich zu leisten.

3.) bey Anwesenheit der fürstl. Oberforstämter und übrigen herrschaftl. Bediensteten die nötige Vorspann zu geben; sodann

4.) auf 2 herrschaftl. Wiesen das Graß zu mähen, das Heu zu machen, und an die Gemeinschaftl. Dienerschaft = so auch 2 Wagen Bestallungskohlen dem Herrn Cameralibus nach Trarbach zu liefern = ferner

5.) den Beamten jeder Unterthan, zum Gütherbau des Jahres 2 Tag zu handfrohnen, dessen Besoldungsholtz zu machen und beyzuführen, auch seinen Besoldungswein aus der Kellerey Trarbach anhero zu transportieren und endlich,

6.) in herrschaftl. Angelegenheiten die nöthigen Bothen Gäng zu thun schuldig sind.

Dieser bishero üblich gewesen – und gnädigster Gemeins Herrschaft so wohl, als einer jeden insbesondere bey der jetzigen Verfassung nöthig bleibende Frohndienste werden allesamt in natural geleistet; außer, daß den Beamten die zwey Handfrohnden, wenn er jedoch dann einige eintrahten kann, mit 30 Kreuzer redoniert werden.
                                               III.
Weder fremde Gemeins Herren, noch auch Ortschaften sind immer dem Bezirk des Amts befindlich, ausgenommen der obig Senßweiler gelegene Distrikt
                                                     Langweiler

genannt, welcher aus fünf Huben besteht, darüber auch dato nebst einem diesseitig gemeinschaftl. Schultheiß fünf Huben gesetzt sind; auf diesen haften fünf Besthäupter, wovon ergebenden falls ein jeder zur hiesigen Kellerey mit 10 Gulden rhein. Wehrung gezahlt werden muß. Dieser Bezirck Langweiler ist in alten Zeiten an die Rheingräfl. Wildenburgische Unterthanen zu Senßweiler , nebst ersagten Besthäuptern gegen einen ganz geringen Zinß, gestalten aus der Amtskellerey Rechnungen zu ersehen, erblich verliehen worden, und werden jene Insaßen genannt. Schutlheiß und Hübner, welche Senßweiler Gemeins Einwohner sind, stehen dießeitig gnädigster Gemeins Herrschaft in Eydespflichten, wogegen sie in dem Wald Habschied die freie Eckerrichtnutzung, jedoch nur von soviel Schweinen, als sie in ihren Haushaltungen abthun gaudiren: und muß jeder Einsaß, der nur von 3 Heller Wert auf ersagtem Langweiler begüthert ist, auf jedesmahliges Erfordern, vor allhiesigem Amt erscheinen. Auf sothanem Bezirck, gleichwie in dem ganzen Amtes haben die durchlauchtigste Gemeins Herrschaften hiesige gnädigste Landes Herren alle hohe und niedere Jurisdiction und Gerichtszwang privative ungehindert zu exercieren. Dahingegen mögte unter dem Nahmen
                                           Vasallen

zu rechnen seyn, daß

a) das vormalige Hauß oder die Grafen zu Oberstein, modo Serinissimus Badensis als Besitzer des Amts Idar, zu Wörschweiler eine Haber Renthe die Erbes Haber genannt von jaährlich 5 Tassen zu beziehen, welche auf den dortigen Gütern gleichen Namens haften.

b) besitzt zu besagtem Wörschweiler die freiherrl. Familie von Schmidtburg gleich auch auf dem dazu gehörigen und in Rheingräfl. Oberkeit gelegene Filial zu Bruchweiler 3/16 am Frucht Zehnten cum titolo oneroso der Bauschuldigkeit an Kirch und Pfarrhauß zu ersagtem Wörschweiler, und

c) die schmitische Erben zu Wörschweiler 1/16 solchen Zehnten, welches ihre Voreltern von dem ehemaligen Grafen zu Eberstein käuflich an sich gebracht haben.
                                              IV.
Belangend die Justiz, wird solche im Amt nach den sponheimischen Landes Statutir und den vorliegenden Gemeinschaftlichen Verordnungen, wo selbige aber cessieren nach dem Jure communi verwaltet; und haben sich weder die Gemeinden des Amts, noch auch einige particuliers darinnen besonderer privilegien zu erfreuen.
                                               V.
Übrigens ist dies kleine Amt in genere betrachtet mit kleinem Activ-Vermögen versehen, gegenteils vielmehr mit 501 Gulden und 30 Kreuzer verzinslichen Passivis dermahlen noch beladen; welches größten theils bey dem letzten Krieg durch die starke fourages fournitouren und Mehl-Fuhr-Stellungen so wohl, als auch zum Theil wegen der vor Jahren vorgewesenen Landes Huldigung cintrahiert worden."

In den Nachrichten von Langweiler im Amt Allenbach (St. A Speyer B 24 Nr. 6) heißt es:

"Von den 5 Huben geschieht in der 1540 Amtsrechnung Meldung.

Extract Rechnung de 1583

Innam Zins uf Langweiler von den 5 Huben davon jede gibt 1 Torniß das ist 20 Pfennig, 2 Faß Haber Binger Mas und 1 Hun, bleibt 1 Hun den Huebern.

Die Saiten und Rappels Huben liegen zwischen der Straß und zwischen deren von Schmitburg Gütern – halten 39 Morgen --.

Nota von Schmitburg haben an diese zwo Hueben und zwischen den Trierischen Hueben Wissen und Felder liegen bey 28 Morgen, von welchen den Schmitburgern die Zinßen von den Kaysern zu Senßweiler gereicht werden.

Die Trierische Hube --- hält 30 ¼ Morgen

Die Grauerts Hube --- hält 28 Morgen

Die Gretmanns Hube --- hält 33 Morgen

Innam Zinß uff Langweiler von den Anwenden zwischen den 5 Huben und des Pfarrers zu Wirschweiler Wydem Hofs Güthern, -- diese Anwendt sind gemesen worden und halten – bey 49 Morgen. An den 49 Morgen liegt der Pfarr Widem Hof, welcher hellt bei 30 Morgen und istndieses Land zum halben Teil Willerung. Von den hindersten Anwenden, so zwischen dem Walde und dem Wydem Hoff liegen, welche halten 12 M. ist Willerung.

Rechnung de 614
Die Hubens Gerechtigkeit, so Junker Hanß Wolffen von Schmidtburg auf Langweiler im Sponheimischen Hofgericht an den Saiten – und Rappels – und zwischen den Trierischen Huben liegendt gehabt, die sit nun zum Hauß Allenbach sambt denjenigen, waß der Junker an Zinsen darauf fallen gehabt, verkauft worden.

Diese Hub ist gemessen worden und helt von der Gastenbach biß an den hohen Rech, da die Häuser vor Jahren gestanden 14 Morgen Wießwachs, daraus bei dreien Morgen Flur Velt gemacht worden. Von diesen Wiesen haben sie vor hundert Jahren gegeben 7 ½ Schilling, welches halb von der Schmitburg bekommen, das andere halb Teil der Rheingrav.

Und dieweil diese Hub, wann ein Huber stirbt, empfänglich ist, und ein Besthaupt gibt, sollen die gemeine Erben einem jeden Schultheisen, so jetzt uff Langweiler oder künftig sein mögte, wann derselb stirbt, einen Goltgulden der Grafschafft zu verrechnen den ankommenden Hübern oder Schultheisen zu erlegen verbunden sein und damit die Güter wieder zu empfangen. Und wan also ein Hüeber oder Schultheis mit Tod erfahren würde, sollen gemeine Erben dem ankommenden Schultheißen oder Hüber für das Besthaupt geben und erlegen 4 Gulden und 24 Alb. und sollsolches Besthaupt nit höher getrieben oder gestzt werden und welcher Erbe uff Langweiler 2 Heller oder 2 Pfennig Zins gibt, derselb werde ein Insesser genanndt, derselb ist schuldig, so offt man zu Birckenfelt oder Allenbach Hochgericht hält, da selber zu erscheinen bei Verlust eine Guts. Deßgleichen welcher seinen Zinß uff Mondag nach Mrtini nicht erlegt, der muß den anderen Tag denselben doppelt erlegen, da er solches nicht thut, hat derselb sein Gut verlohren und macht man Ihn wegfertig, also im Weißtum herbracht.

Extract Allenbacher Amts Kellerey Berichts D.D. 14. July 1759."

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Eine Übersicht über die Bevölkerungsentwicklung im Amt Allenbach

  1607 1699 1772 1790
Allenbach     64     19    80   107
Hüttgeswasen Tranenw.      3   --   --   --
Wirschweiler     34     23    71     85
Langweiler   --   --    13   --
zusammen   101     42   164   192

Quelle: Keller A.: Zwischen den Wäldern, Seite 61

Der starke Rückgang der Bevölkerung zwischen 1607 und 1699 ist durch den Dreißigjährigen Krieg zu erklären, das starke Anwachsen später unter anderem durch das Wildfangrecht der Sponheimer (s.o.)


Auswanderer von Langweiler nach Amerika
Johann Mathias Marx, Achatschleifer, geb. 9.4.1841 mit seiner Frau Margaretha Mayer, geb. 1832 zu Hüttingen und den Kindern:Maria, geb. 17.4.1869; Elisabeth, geb. 24.2.1871 nach N.A. ausgewandert am 6.3.1872
August Mosel, kath. Geistlicher, geb 26.7.1872; ausgewandert 1912 nach San Francisco
Maria Mosel, ohne Beruf, geb 26.2.1906, ledig; ausgewandert 2.1.1928 nach San Francisco
*Anna Mosel, ohne Beruf, geb 7.10.1907; ausgewandert 2.1.1928 nach San Francisco
Felix Mosel, Edelsteinschleifer, geb. 22.10.1908; ausgewandert 2.1.1928 nach San Francisco
Katharina Schneider, ohne Beruf, ledig, geb 17.02.1901; ausgewandert 1922 nach Joliet
Michael Schneider, ledig, geb 13.05.1904; ausgewandert Mai 1927 nach Joliet

* Anna Mosel besuchte Mitte der 70er Jahre noch einmal ihre Heimatgemeinde. Es wurde ihr ein herzlicher Empfang bereitet.

 

Quellennachweis

Dorfchronik Wirschweiler von Ernst Rudy
Landeshauptarchiv Koblenz
Landesarchiv Speyer
Stadtarchiv Trier
Archiv der Abtei St. Maximin Trier
Bistumsarchiv Trier
Familienbücher Bischofsdhron I + II von Bungert
Familienbuch Bischofsdhron von Rudi Jung